MDR1-Gendefekt bei Hunden

 

Der MDR1-Gendefekt ist ein genetischer Defekt, der so nur beim Hund vorkommt und in der Hauptsache ganz bestimmte Rassen betrifft. MDR steht hierbei für Multi Drug Resistance.

 

Alle betroffenen Rassen sind heute in irgendeiner Art und Weise mit dem Collie verwandt. Man geht davon aus, dass dieser Gendefekt Mitte des 19. Jahrhunderts von einem betroffenen Hund in den Genpool bestimmter Rassen eingeschleust wurde und sich so bei bestimmten Rassen festsetzen konnte.

 

Was passiert bei Hunden mit dem MDR1-Gendefekt?

 

Hunde, die von diesem Gendefekt betroffen sind, haben eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für bestimmte Substanzen. Das bedeutet, dass bestimmte Substanzen im Gehirn eine Konzentration erreichen, die bis um das hundertfache höher ist als bei Hunden, die nicht vom MDR1-Gendefekt betroffen sind. Diese Substanzen, die von Hunden ohne MDR1-Gendefekt gut vertragen werden, führen bei betroffenen Hunden zu schweren Vergiftungen. Erstmals fiel dieser Umstand vor mehr als 20 Jahren auf, als Collies auf den Wirkstoff Ivermectin mit Vergiftungen reagierten. Einige Hunde zeigten bereits nach Verabreichung subtherapeutischer Ivermectindosen (also Dosen, die noch unter der empfohlenen therapeutischen Dosen lagen) Erbrechen, Zittern neurologische Bewegungsstörungen, Krämpfe sowie komatöse Zustände, sogar Todesfälle kamen vor. Man machte sich auf die Suche nach der Ursache, experimentierte an Mäusen und verglich Gensequenzen von Collies und Beagles und fand schließlich heraus, dass der MDR1-Gendefekt verantwortlich war.

 

Welche Rassen sind von diesem Gendefekt betroffen?

 

Wie schon erwähnt sind in der Hauptsache Rassen betroffen, die irgendeine Verwandtschaft zum Collie haben. Einige Rassen sind stärker betroffen als andere:

 

  • Collie (Kurzhaar) 68 %
  • Collie (Langhaar) 55-57 %
  • Longhaired Whippet 42-65 %
  • Australian Shepherd (Miniature) 20-50 %
  • Shetland Sheepdog (Sheltie) 7-35 %
  • Silken Windhound 18-30 %
  • Australian Shepherd 17-46 %
  • McNab 17-30 %
  • Wäller 17-19 %
  • Weißer Schäferhund 14 %
  • Old English Sheepdog (Bobtail) 1-11 %
  • English Shepherd 7-15 %
  • Deutscher Schäferhund 6-10 %
  • Border Collie 1-2 %
  • Mischlinge 1-7 %.

 

Wo kann ich testen lassen und welche Ergebnisse sind möglich?

 

Ob ein Hund betroffen ist, kann mit einem speziellen Gentest nachgewiesen werden, den das TransMIT-Zentrum für Pharmakogenetische Diagnostik an der Universität Gießen anbietet. Für diesen Test werden dem Hund einige Tropfen Blut entnommen und an das TransMIT-Zentrum geschickt. Dort wird das Blut dann auf den MDR1-Gendefekt untersucht. Eine andere Methode ist der Backenabstrich mit einem speziellen Tupfer, wie man ihn von DNA-Tests beim Menschen kennt. 5 Tage bis 2 Wochen nach Eingang der Probe im Labor erhalten Sie das Ergebnis des Tests. Auch Laboklin bietet den Test über ein Partnerlabor im Ausland an. Die Kosten für den Test belaufen sich je nach Labor auf ca. 46-86 €.

 

Es gibt 3 mögliche Ergebnisse:

 

  • MDR1+/+ oder N/N: Es sind keine Vorsichtsmaßnahmen notwendig
  • MDR1+/- oder N/MDR1: Der Hund ist heterozygot betroffen. In diesem Fall hat nur ein Elterntier den Defekt vererbt, Ihr Hund kann den Defekt jedoch mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% auch an seine Nachkommen weiter vererben. Sensitive Reaktionen auf bestimmte Substanzen können nicht ausgeschlossen werden; man sollte also entsprechende Vorsicht walten lassen.
  • MDR1-/- oder MDR1/MDR1: Der Hund ist homozygot betroffen. Das bedeutet, beide Elterntiere haben den Defekt an Ihren Hund weiter vererbt. Sie müssen davon ausgehen, dass Ihr Hund hochgradig empfindlich auf bestimmte Substanzen reagiert.

 

Soll ich meinen Hund testen lassen?

 

Wenn Ihr Hund einer der o.g. Rassen zugehörig ist oder ein Mischling ist, bei dem eine der betroffenen Rassen vorkommt, ist es sinnvoll, Ihren Hund testen zu lassen. Die Sensitivität auf bestimmte Arzneien betrifft nämlich nicht nur Ivermectin, sondern auch andere Arzneimittel, die oftmals zum Standard in der veterinärmedizinischen Behandlung gehören. Bei einem Hund mit MDR1-Gendefekt muss Ihr Tierarzt für die entsprechenden Arzneimittel eine Nutzen-Risiko-Abwägung machen und peinlich genau dosieren, wenn sich eine Verabreichung nicht umgehen lässt. Da man einem Hund nicht ansieht, ob er betroffen ist, merken Sie als Halter von diesem Gendefekt nichts; bis beispielsweise die erste Operation ansteht, im Rahmen derer Ihr Hund Opioide zur Schmerzunterdrückung (Analgesie) bekommt und so in eine lebensbedrohliche Situation gerät.

 

Welche Arzneimittel/Wirkstoffe sind für betroffene Hunde gefährlich?

 

  • Opioide (Morphin, Methadon, Fentanyl, Butorphanol, etc.) sind Wirkstoffe zur Schmerzunterdrückung, die atemdepressiv wirken. Während und nach Operationen werden Opioide verabreicht, um die Schmerzen zu unterdrücken, weil das mit den reinen "Einschlafmitteln" für die Narkose nicht gegeben ist. Der atemdepressive Effekt der Opioide ist bei betroffenen Hunden extrem verstärkt. 
  • Loperamid, bekannt als Imodium, ein Durchfallmittel aus dem Humanbereich, welches aber auch gerne von Hundehaltern bei "hundischem" Durchfall verabreicht wird. Das gilt auch für Generika, also für wirkstoffgleiche Kopien vom Imodium. 
  • Emodepsid, erhältlich unter den Handelsnamen Profender und Procox. Schon eine doppelte Überdosierung führt zu Vergiftungserscheinungen. 
  • Ketoconazol und Itraconazol, recht gebräuchliche Mittel gegen Pilzbefall 
  • Cyclosporin Aein sog. Immunsuppressivum, das gerne zur Unterdrückung von Juckreiz verordnet wird. 
  • Ranitidin und Cimetidin, das sind Magenschutzpräparate. 
  • Acepromazin, ein häufig verwendetes Sedativum, das vor Narkosen zur Prämedikation verwendet wird. 
  • Zytostatika, also Arzneimittel zur Chemotherapie bei Krebserkrankungen. 
  • Makrozyklische Laktone, Wirkstoffe, die in Mitteln gegen Parasitenbefall enthalten sind. Dazu gehören Ivermectin und seine Abkömmlinge wie Doramectin, Selamectin, Moxydectin, Milbemycinoxim u.a.
  • einige gebräuchliche Antibiotika 
  • einige Herzglykoside

 

Zu den makrozyklischen Laktonen sei noch gesagt, dass diese gerne zur Behandlung von Pferden verwendet werden. Nimmt ein Hund mit dem MDR1-Gendefekt makrozyklische Laktone über Pferdeäpfel eines damit behandelten Pferdes auf oder wird der Hund mit einem solchen Pferdepräparat behandelt, kann das fatale Folgen für den Hund haben. Makrozyklische Laktone dürfen nur über für Hunde zugelassene Präparate verabreicht werden. Das sind aktuell Advocate, Stronghold, Milbemax und Program Plus. Die Dosierung muss allerdings extrem genau erfolgen.

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Gulahund Yellowdog Program

Tierheilpraxis für Hunde & Katzen

Christina Wick

Tierheilpraktikerin

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Nach dem deutschen Heilmittelwerberecht § 3 muss ich darauf hinweisen, dass es sich bei den hier vorgestellten Methoden, sowohl therapeutischer als auch diagnostischer Art, um Verfahren der alternativen Medizin handelt, die wissenschaftlich umstritten und schulmedizinisch nicht anerkannt sind.