Epilepsie bei Hund & Katze

 

Epilepsie ist ein sehr umfangreiches und komplexes Thema, das hier nicht vollständig behandelt werden kann. Dennoch sollen Sie einen groben Überblick über diese Erkrankung bekommen.

 

Prinzipiell können alle Tiere an Epilepsie erkranken, so auch unsere Hunde und Katzen. Besonders häufig sind Hunde betroffen. Epilepsie gehört zu den häufigsten chronischen Krankheiten, die das zentrale Nervensystem betreffen. Aufgrund der etwas anderen Neuronenschaltung beim Tier spricht man meist von epileptiformen Anfällen.

 

Was bedeutet Epilepsie?

 

Die Definition der Internationale Liga gegen Epilepsie (International League against Epilepsy, ILAE) und das internationale Büro für Epilepsie (International Bureau for Epilepsy, IBE) beschreiben Epilepsie als „eine Störung des Gehirns, die durch eine dauerhafte Neigung zur Entwicklung epileptischer Anfälle sowie durch die neurobiologischen, kognitiven, psychologischen und sozialen Konsequenzen dieses Zustands gekennzeichnet ist.“

 

Die Definition einer Epilepsie setzt das Auftreten mindestens eines epileptischen Anfalls voraus. Eine Epilepsieerkrankung kann angeboren oder erworben sein.

 

Unterteilung der Epilespie

 

Man unterteilt eine Epilepsie in verschiedene Arten.

 

a) idiopathische Epilepsie = primäre Epilespie = echte Epilepsie

Von einer idiopathischen Epilepsie spricht man, wenn keine konkrete Ursache feststellbar ist. Bei dieser Form tritt der erste Anfall meist zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr auf. Es liegt eine funktionelle Hirnveränderung vor, bei der das Gleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Neurotransmittern gestört ist. Es kommt zu einer plötzlichen und gleichzeitigen Entladung in den beiden Hirnhemisphären, quasi ein Overkill im Gehirn. Häufig tritt die primäre Epilepsie bei Spezies mit einer niedrigen Krampfschwelle (Hund, Mensch, seltener Katzen) auf. Reinrassige Tiere sind häufiger Betroffen als Mischlinge, daher ist eine genetische Disposition nicht ausgeschlossen. Ca. 80% der an Epilepsie erkrankten Tiere leiden an einer idiopathischen Epilepsie.

 

b) Symptomatische Epilepsie = sekundäre Epilepsie = erworbene Epilepsie

Diese Form der epileptischen Anfälle ist nicht angeboren. Ursächlich für eine symptomatische Epilepsie sind andere Erkrankungen, aufgrund derer es ebenfalls zu einer falschen Entladung der Neurotransmitter im Gehirn kommt. In Frage kommen hier als z.B. Kopf- und Hirnverletzungen, Entzündungen oder bestimmte Tumore, die den Gehirnstoffwechsel entgleisen lassen. Weitere Ursachen können Infektionskrankheiten wie Staupe oder Tetanus, mangelnde Stressresistenz, Vergiftungen, Herzrhythmusstörungen, Hormon- oder andere Stoffwechselstörungen (z. B. Hypokalzämie, Hypoglykämie) sein. Obwohl meist zuerst nur fokale Anfälle (auf ein Gebiet im Gehirn begrenzt) auftreten, generalisieren (d.h. sie breiten sich im gesamten Gehirn aus) diese im Verlauf der Erkrankung. Bei akuten oder fortschreitenden Hirnerkrankungen kommen neben Anfällen weitere neurologische Symptome vor. Ist bei den Vorfahren des betroffenen Tieres keine Epilepsie aufgetreten, dann ist es wichtig zu untersuchen, ob eine versteckte primäre, also ursächlich verantwortliche Erkrankung vorliegt.

 

c) Kryptogene Epilepsie = verborgene Epilepsie (griech.: kryptein = verbergen).

Bei dieser Form der Epilepsie kann nicht eindeutig nachgewiesen werden, ob eine primäre oder sekundäre Epilepsie vorliegt. Die Ursache ist unbekannt.

 

 

Anfallsformen 

 

Auch die Anfälle selbst werden je nach Erscheinungsbild unterteilt in partielle und generalisierte Anfälle.

 

a) Partielle Anfälle

Man unterscheidet zwischen einfachen, komplexen und Anfällen mit sekundärer Generalisation. Bei einfachen fokalen Anfällen fallen häufig lediglich unkontrollierte Bewegung einzelner Gliedmaßen oder Muskelgruppen, Kieferschlagen oder Kopfschütteln auf. Bei einer rein sensorischen oder vegetativen fokalen Epilepsie sind meist gar keine Anfälle zu bemerken.

Komplexe Anfälle stellen sich infolge der hiermit einhergehenden Bewusstseinsstörung als Verhaltensauffälligkeiten dar in Form von unmotiviertem Bellen, Kauen, Lecken, Aggressivität und Zuckungen bestimmter Körperteile (z.B. Ohren, Gesicht). Auch das „Fliegenschnappen“ oder Drangwandern (zwanghaftes Im-Kreis-Laufen) wird häufig beobachtet. Eine Abgrenzung zu besonderen individuellen Verhaltensmustern von gesunden Hunden ist häufig schwierig. 

 

b) Generalisierte Anfälle 

Generalisierte Anfälle werden in verschiedene Gruppen unterteilt:

  • Absencen (extrem selten)
  • Myoklonien (einzelne oder unregelmäßig wiederholte Zuckungen einzelner Muskelgruppen) 
  • tonische Anfälle (anfallsweise Versteifung bzw. Verkrampfung einzelner Muskelgruppen oder des ganzen Körpers)
  • klonische Anfälle (länger anhaltende rhythmische Zuckungen der Beugemuskeln aller Glieder auf. Die Frequenz der Kloni verlangsamt sich in der Regel zum Ende des Anfalls)
  • tonisch-klonische Anfälle (Grand-mal-Anfall; Bewusstseinsverlust, Sturz, Verkrampfung und anschließend rhythmische Zuckungen der oberen und unteren Extremitäten)

 

Der häufigste Anfallstyp ist der tonisch-klonische Grand-mal-Anfall. Er wird beim Hund in verschiedene Phasen unterteilt: 

  1. Prodromalstadium: Feine Wesensveränderungen, Starren ins Leere, Schnüffeln, u. U. über mehrere Stunden bis Tage, oft aber ganz fehlend oder vor einem Anfall übersehen. 
  2. Aura: Ausgeprägtes Angstverhalten wie Ruhelosigkeit, Schreckhaftigkeit, Anhänglichkeit oder Bellen aus über wenige Sekunden bis zu einigen Minuten. Schwer von den anderen Phasen abgrenzbar.
  3. Iktus: Der eigentliche Anfall, häufig beginnend mit örtlichen Zuckungen, welche später in generalisierte Krämpfe mit tonisch-klonischen Zuckungen, Kieferschlagen, Speicheln, unkontrolliertem Harn- und Kotabsatz und Bewusstlosigkeit übergehen und einige Sekunden bis Minuten dauern. Dauert diese Phase länger als 30 Minuten oder kommt es zu zwei oder mehr hintereinander folgenden Krampfanfällen, ohne dass das Tier zwischenzeitlich das Bewusstsein wiedererlangt hat, spricht man von einem Status epilepticus. 
  4. Postiktus: Einige Minuten bis hin zu Tagen andauerndes Stadium mit Erschöpfungssymptomen, möglicherweise auch gelegentliche Desorientierung, Heißhunger und unmotivierte Aggressivität. 

 

Ursachen der Epilepsie

 

Obwohl man die Epilepsie seit der Antike kennt und dokumentiert, sind die genauen Ursachen für die Entstehung der Epilepsie immer noch nicht eindeutig geklärt. Man vermutet jedoch verschiedene Prozesse unter möglicher Beteiligung an krankheitsbedingten, pharmakobedingten oder genetischen Einflüssen. Man weiß aber, dass durch ein Ungleichgewicht in der Verteilung oder Sensibilität von Rezeptoren der postsynaptischen Zelle Neurotransmitter ungleich aufgenommen werden und dadurch die Impulsweiterleitung ungleichmäßig erfolgt. Außerdem weiß man, dass Defekte der Na+-Ionenkanälen oder Ca2+-Ionenkanäle an der Entstehung und Ausbreitung ungleichmäßiger Entladungen beteiligt sein können und dass ein Ungleichgewicht der erregenden Neurotransmitter Glutamat oder Aspartat und des Gegenspielers der inhibitorischen Überträgersubstanz GABA (= gamma-Aminobuttersäure) entsteht. Defekte in der Biosynthese führen zu einem gesteigerten Abbau oder zu einer Hemmung der Rezeptoren. 

 

Durch diese fehlgesteuerten Vorgänge kommt es zu einer abnormen und langanhaltenden Depolarisation am Dendriten einer Nervenzelle, was zu einer Generalisierung des Aktionspotentials führt. Die elektrische Fortleitung kann nicht unterbrochen werden und die Repolarisation zur Unterbrechung der elektrischen Ströme kann nicht rechtzeitig stattfinden. Es kommt zu einem Überfluss an elektrischen Impulsen in den Nervenzellen und somit zu einem "Gewitter im Gehirn", einem epileptiformen Anfall.

 

Differentialdiagnosen

 

Differentialdiagnostisch empfiehlt sich eine Abklärung von 

- Herzrhythmusstörungen

- Stoffwechselstörungen

- Kreislaufregulationsstörungen

- Psychogene nichtepileptische Anfälle (PNEA)

- Fieberkrämpfe

- Infektionen (Staupe, Tetanus, FSME usw.)

- Trauma

- Lebererkrankungen

- Nierenerkrankungen

- Tumoren

 

Diagnostik

 

Die Diagnostik umfasst im Wesentlichen folgende Punkte:

  • Ausführliche und weitzurückreichende  Anamnese
  • Familiengeschichte falls bekannt
  • Abgrenzung extracerebraller Ursachen durch hämatologische und biochemische sowie kardiologische Untersuchung
  • Neurologische Untersuchungen

Weitere Untersuchungen (jedoch aufgrund des Kostenfaktors nicht als Standarduntersuchungen): 

  • CCT (craniale Computertomatographie)
  • MRT (Magnetresonanztomographie)
  • EEG (Elektroenzephalographie), am Tier sehr schwer durchführbar
  • Untersuchung der Gehirnflüssigkeit 

 

Therapie

 

Tiere mit Epilepsie werden wie wir Menschen mit Antikonvulsiva behandelt, wie z.B. Luminal® bzw. Luminaletten® (Wirkstoff: Phenobarbital). Auch die Wirkstoffe Primidon und Kaliumbromid kommen zum Einsatz. Beim Auftreten eines epileptischen Anfalls kann auf Anweisung des behandelnden Tierarztes der Wirkstoff Diazepam eingesetzt werden, der rektal verabreicht wird. Naturheilkundlich bestehen zahlreiche Möglichkeiten der begleitenden Behandlung. Im Internet stolpert man immer wieder über die ketogene Diät bei Epilepsie, bei der über einen langen Zeitraum der Fettanteil erhöht und der Kohlenhydrat- sowie der Eiweißanteil verringert wird; hierzu sei gesagt, dass sich diese Diät bei Patienten mit generalisierten Anfällen oder komplexen fokalen Anfällen als weniger erfolgreich erwiesen hat und zu Nebenwirkungen wie Verstopfung, Erbrechen, Übersäuerung des Körpers, erhöhtes Risiko der Nierensteinbildung, zum Teil erhöhte Blutfettwerte usw. führt. Es sollte niemals auf eigene Faust eine solche Diät bei Tieren begonnen werden. Liegt der Epilepsie eine andere, ursächliche Erkrankung zu Grunde, sollte diese natürlich einen Schwerpunkt in der Behandlung darstellen.

 

 

 

VDT-Mitglied
Gulahund Yellowdog Program

Tierheilpraxis für Hunde & Katzen

Christina Wick

Tierheilpraktikerin

Peter-Rosegger-Str. 1b

84478 Waldkraiburg

 

Tel. 08638 / 20 99 061

 

E-Mail info[at]tierheilpraxis-wick.de

Nach dem deutschen Heilmittelwerberecht § 3 muss ich darauf hinweisen, dass es sich bei den hier vorgestellten Methoden, sowohl therapeutischer als auch diagnostischer Art, um Verfahren der alternativen Medizin handelt, die wissenschaftlich umstritten und schulmedizinisch nicht anerkannt sind.