Häufige dermatologische Erkrankungen bei Katzen

Katzen können ebenso wie Hunde an verschiedenen dermatologischen Symptomen Erkrankungen leiden. Neben der dermatologischen Untersuchung ist es wichtig, eine gründliche Allgemeinuntersuchung durchzuführen, da neben Allergien oder Unverträglichkeiten auch andere organische Erkrankungen mit Hautsymptomen oder -erkrankungen vergesellschaftet sein können, beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, felines Asthma, Diabetes u.a.

 

Katzen zeigen meist sog. per Blickdiagnose feststellbare stereotype „Reaktionsmuster“ auf verschiedene Auslöser. Zu den Reaktionsmustern gehören die miliare Dermatitis, die feline selbstinduzierte Alopezie, die felinen selbstinduzierten Exkoriationen/Ulzera oder auch der eosinophile Granulomkomplex. Es gilt aber, die Auslöser zu finden - ein oft langwieriger Prozess.

 

Im Rahmen einer gründlichen Anamnese werden Herkunft der Katze, Lebensweise (Freigang/Wohnungshaltung), Fütterung, Vorgeschichte, bisherige medikamentöse Behandlungen, Rasse, Geschlecht, Farbe, Alter u.v.m. aufgenommen. Während Rasse und Geschlecht eine eher untergeordnete Rolle spielen, kann die Farbe der Katze einen Hinweis auf bestimmte Dispositionen geben. So weiß man beispielsweise, dass bei roten Katzen Lentigo simplex (schwarze oder braune Flecken auf Lippen, Ohren oder Nase) häufiger auftritt als bei andersfarbigen Tieren, während weiße Katzen oder Katzen mit weißen Ohren, Nasen und weißem Periorbitalbereich (=in Umgebung der Augenhöhle) häufiger an sonnenlichtbedingten Dermatosen, also Erkrankungen der Haut und ihrer Anhangsorgane bis hin zum Plattenepithelkarzinom, leiden. Auch das Alter kann einen Hinweis geben, in welche Richtung man suchen sollte. So sind jüngere Katzen zwischen 1/2 bis 3 Jahren häufiger von einer atopischen Dermatitis betroffen, ältere Katzen leiden öfter an Neoplasien oder systemischen Erkrankungen mit Beteiligung der Haut. Ganz unwichtig ist die Rasse aber nicht: Siamkatzen gelten neben einigen weiteren Rassen als prädisponiert für die echte psychogene Alopezie, während man bei Perserkatzen eine Neigung zu Hautpilzerkrankungen durch Fadenpilze annehmen kann.

 

Eine miliare Dermatitis (MD) fällt häufig nur zufällig auf, da sie sich meist in Form von fühlbaren, teils verkrusteten kleinen Papeln im Rückenbereich zeigt. Die causale, also ursächliche Behandlung steht hier im Vordergrund. Häufigste Auslöser sind Allergien und Ektoparasiten (Flöhe, bestimmte Milben,in seltenen Fällen Haarlinge).

 

Kratzt sich eine Katze ständig im Kopf- und Halsbereich auf, kann das das Reaktionsmuster einer FSU sein. FSU steht für „Feline selbstinduzierte Exkoriationen/Ulzera“. Durch das Kratzen mit den Krallen entstehen Erosionen, Exkoriationen oder auch Ulzera. Da Katzenkrallen nicht steril sind und die Wunden offen und nicht selten sehr tief sind, ist die Gefahr einer sekundären bakteriellen Infektion recht groß. Ursachen sind vor allem Ektoparasiten und Allergien. Tritt der Juckreiz am Kopf vermehrt im Schläfenbereich auf und sind Ohrenentzündungen, Ohrmilben, weitere Parasiten und Milbenarten wie Notoedres, Demodex sicher ausgeschlossen, gilt eine Futtermittelunverträglichkeit/-allergie als wahrscheinlichste Ursache.

 

Neben der FSU gibt es ein ähnlich klingendes Reaktionsmuster, nämlich FSA. Abgekürzt wird damit damit die „Feline selbstinduzierte Alopezie“ oder auch „feline symmetrische Alopezie“. Bei der FSA lecken sich die Katzen die Haare an erreichbaren Stellen ab, besonders im Bereich Bauch, Rücken, Vorderbeine oder auch Oberschenkelinnenseiten, also jene Stellen, die mit der Zunge erreichbar sind. Untersucht man die Haare unter dem Mikroskop, sieht man an den Haarspitzen, dass die Haare mit der rauen Zunge abgeleckt wurden. In den meisten Fällen sind unentdeckte Ektoparasiten oder Allergien die Ursache.

 

Ähnliche Symptome zeigen Katzen, die an einer Verhaltensstörung leiden. Hier spricht man von einer echten psychogenen Alopezie, die eine Zwangsstörung darstellt. Aus einer FSA kann eine echte psychogene Alopezie entstehen, eine Psychogene Alopezie kann jedoch auch eine FSA verstärken. Die psychogene Alopezie ist eine Ausschlußdiagnose - andere organische Ursachen müssen ausgeschlossen sein. Neben Stress und einer grundlegenden Ängstlichkeit kann auch der Verlust des Territoriums zu dieser Verhaltensstörung führen, beispielsweise durch Umzug in eine neue Wohnung oder Zuzug einer weiteren Katze. Auch der Verlust eines Partnertieres kann eine mögliche Ursache sein. 

 

Eine weitere Hauterkrankung ist der "Eosinophile Granulom-Komplex“ (EGC). Als Auslöser kommen neben Genetik vor allem Allergien, Parasiten, Autoimmunerkrankungen, Erreger (Viren, Pilze, Bakterien) und Verletzungen in Frage. Hierbei zeigen die betroffenen Tiere entweder einzeln oder in Kombination ein eosinophiles Granulom, eosinophile Plaque oder schmerzfreie Ulcera, im Fachjargon "indolent ulcer" genannt, die hauptsächlich ausgehend vom Caninus als ulzerative Veränderung im Bereich der Oberlippe in Erscheinung treten. Die Ulzera können sich bis zum harten Gaumen ausbreiten. In Folge bestimmter zellulärer Vorgänge kann es zu heftigen endogene Fremdkörperreaktion auf zerstörtes Kollagen kommen. Führt das im Extremfall zur einer starken Kalzifizierung, zeigt sich ein erhabenes Ulcus mit einer zentralen weißlichen Nekrose. Bakterielle Sekundärinfektionen setzen sich sehr häufig oben auf. 

 

Bei der sog. eosinophile Plaque leiden die Tiere und starkem Juckreiz und belecken die betroffenen Stellen ständig. Man findet die Hautveränderung hauptsächlich an Hals, Bauch, im Bereich der Leiste bis hin zu Hinterbeinen. Sie kann sich mit kleinen Erosionen oder in Form von haarlosen, erhabenen, glänzend und erythematös, Plaques zeigen.

 

Das eosinophile Granulom betrifft häufiger junge Katzen bis zu einem Jahr und ist oft ein Zufallsbefund, da nicht alle Katzen unter Juckreiz leiden. Die Haut weist rosa-schuppige Veränderungen an Flanken und bestimmten Bereichen der Hinterbeine auf, die oft perlschnurartig angeordnet und von intakter, unveränderter Haut umgeben sind. Eine seltene Sonderform des EGC ist die „Mosquito bite hypersensitivity“, die durch die Stiche verschiedener Stechmücken ausgelöst wird.

 

Die Diagnose der klinischen Formen des EGC ist relativ einfach per Feinnadelaspiration und histopathologischer Untersuchung zu stellen. Größere Schwierigkeiten macht die Diagnose der eigentlichen, also primären Ursache, die als Bestandteil der Behandlung korrigiert werden sollte.

 

Die schulmedizinische Behandlung erfolgt mittels Kortikosteroiden, ggf. Antibiotika bei den sog. "indolent ulcer". Gegen allergischen Juckreiz wird auch bei Katzen immer wieder ein Januskinase 1-Inhibitor eingesetzt. Hundehalter kennen den Wirkstoff Oclacitinib als Apoquel. Apoquel ist für Katzen nicht zugelassen, wird aber im Rahmen einer Umwidmung durch den Tierarzt verordnet. 

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Gulahund Yellowdog Program

Tierheilpraxis für Hunde & Katzen

Christina Wick

Tierheilpraktikerin

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Nach dem deutschen Heilmittelwerberecht § 3 muss ich darauf hinweisen, dass es sich bei den hier vorgestellten Methoden, sowohl therapeutischer als auch diagnostischer Art, um Verfahren der alternativen Medizin handelt, die wissenschaftlich umstritten und schulmedizinisch nicht anerkannt sind.