Reine Wohnungshaltung von Katzen

 

Beim Thema Wohnungshaltung scheiden sich die Geister. Die Einen sagen, diese Haltung kann für Katzen niemals artgerecht sein, die Anderen sagen, eine Katze, die die Freiheit nie kennen gelernt hat, kann und wird sie nicht vermissen. Aus meiner Praxiserfahrung kann ich sagen, das stimmt so nicht. Ich kenne durchaus Fälle, in denen Katzen nie draußen waren, die Haltung an sich nicht falsch war, aber dennoch ein so massiver Drang nach Freigang vorhanden gewesen ist, dass die Wohnungshaltung auf Dauer nicht machbar war, ohne dass die Tiere sichtbar litten. Ob es das Bedürfnis nach "Freiheit" war oder einfach der Drang, den kätzischen Instinkten nachzugehen, wissen nur die Tiere selbst.

 

Man kann also nicht pauschal sagen, dass eine Wohnungskatze, die nichts anderes kennt, sich dauerhaft ohne Freigang wohl fühlt. Umgekehrt gibt es Katzen, die lieber in der Wohnung sind, weil die Eindrücke draußen sie überfordern. Es kommt also auf den Einzelfall an und bei reiner Wohnungshaltung vor allem auf das WIE. Ich möchte hier bewusst nicht auf pro oder contra Wohnungshaltung/Freigang eingehen, sondern Ihnen Hilfestellungen geben, wie die Wohnungshaltung katzengerecht gestaltet werden sollte. Hier gibt es einige Dinge zu beachten, damit die Katze nicht unter Dauerstress steht und deshalb über die Zeit psychische und/oder körperliche Leiden entwickelt.

 

Katzen sind Einzelgänger - da reicht doch eine. Oder doch nicht?

Nein, Katzen sind keine Einzelgänger. In freier Natur leben Katzen sogar in teilweise relativ großen Kolonien mit einem ausgefeilten Sozialgefüge zusammen. Katze sind lediglich Einzeljäger. Leider wird das oft nicht unterschieden. Selbstverständlich gibt es auch unter Katzen Sonderlinge, die von jedwedem Artgenossen sichtlich angewidert sind (ich beherberge selbst so einen Sonderling, allerdings mit uneingeschränktem Freigang, wie ihn alle meine Katzen haben), das sind aber die Ausnahmen und meist steckt eine Geschichte dahinter, warum diese Grantler sind, wie sie sind. Grundsätzlich brauchen Katzen den Kontakt zu Artgenossen. Entschließt man sich also zur Katzenhaltung in der Wohnung, sollte man immer 2 Katzen zusammen halten. Nicht jede Katze ist mit jedem Artgenossen kompatibel und 2 fremde Katzen aneinander zu gewöhnen bedarf etwas Zeit und Feingefühl, man kann aber z.B. ein Geschwisterpärchen aus dem gleichen Wurf aufnehmen. Das klappt in der Regel sehr gut. So haben beide einen Artgenossen zum toben, kuscheln, putzen und kommunizieren. 

 

Rückzugsmöglichkeiten - Auszeit für den Stubentiger

Katzen brauchen Rückzugsmöglichkeiten. Meist wird man selbst nach kurzer Zeit die Stellen entdecken, an die sich Katzen zurückziehen, wenn sie ihre Ruhe haben möchten. Man kann aber auch an geschützten Orten in der Wohnung solche Plätze gezielt anbieten. Geschützt bedeutet, dass hier nicht gerade Durchgangsverkehr herrschen sollte. Katzen mögen es geborgen und kuschelig...man kann Kuschelhöhlen oder mit einer weichen Decke ausgelegte Körbe an ruhigen Orten der Wohnung aufstellen. Hat sich eine Katze auf einen vom Halter angebotenen oder selbst gewählten ruhigen Ort zurück gezogen, muss das respektiert werden. Die Katze liegt dort, weil sie für sich sein möchte, nicht, weil sie regelmäßigen Kontrollbesuch vom Halter oder den Kindern der Familie haben möchte. Erklären Sie also auch Ihren Kindern, dass die Katze tabu ist, wenn sie an bestimmten Orten liegt. Die einmal gewählten und angenommenen Rückzugsorte sollten nicht verändert werden und jeder Katze sollte mindestens eine solche "Chill out Area" zur Verfügung stehen.

 

Katzenklo - wie viele, welche und wo stellt man die hin?

Katzen setzen gerne Kot und Urin an getrennten Orten ab. Aus diesem natürlichen Bedürfnis heraus gibt es folgende Faustregel: 

  • Einzelkatze: 2 Toiletten
  • Mehrkatzenhaushalt: 1 Toilette pro Katze + 1

Das bedeutet also, bei 2 Katzen 3 Toiletten, bei 3 Katzen 4 Toiletten usw. Nur weil in einem Haushalt mit 2 Katzen lediglich 1 Toilette steht und keine der Katzen unsauber ist, heißt das übrigens nicht, dass sie sich mit 1 Toilette wohl fühlen. Achten Sie also auf eine angemessene Anzahl an Katzentoiletten. Haben Sie mehrere Stockwerke zur Verfügung, sollten die Toiletten so verteilt sein, dass für die Katzen in jedem Stockwerk die Möglichkeit besteht, eine Toilette zu benutzen. 

 

Für Katzenhalter sind die Katzentoiletten mit Haube sehr praktisch. Es wird beim Buddeln kein Streu raus geworfen, der Gestank hält sich auch in Grenzen. Katzen erledigen ihre Geschäfte aber nicht gerne in Höhlen. Deshalb sollten die Katzentoiletten keine Haube haben. Es gibt Toiletten mit einem etwas verbreiterten Rand - so fällt auch nicht allzu viel Streu daneben, wenn der Stubentiger seine Hinterlassenschaften vergräbt. Achten Sie immer auf eine ausreichend hohe Füllung mit Streu, damit Ihre Katzen die Geschäfte entsprechend verbuddeln können. Auf chemische Reiniger und Düfte bzw. parfümiertes Katzenstreu verzichten. Für menschliche Nasen mag das nett sein, Katzen brauchen und mögen es nicht.

 

Die Katzenstreusorte sollte nach Möglichkeit beibehalten werden. Ist ein Wechsel der Marke/Sorte nötig, bieten Sie die neue Einstreu zunächst in einer separaten Toilette an und belassen Sie in den gewohnten Toiletten zunächst die ursprüngliche Marke. So können Sie sehen, ob die neue Marke angenommen wird. Ein abrupter Wechsel quittieren manche Katzen mit Unsauberkeit.

 

Die Toiletten sollten frei stehen, das heißt, die Katze sollte möglichst von allen Seiten in die Toilette hinein, aber auch wieder heraus steigen können. Außerdem kann sie so auch während des Toilettengangs ihre Umgebung im Auge behalten. Für die Toilette gilt ebenfalls, dass ein ruhiger Ort für die Aufstellung gewählt werden sollte. Keine Katze verrichtet gerne ihre Geschäfte, während ihre Menschen oder Besucher ständig vorbei laufen. Auch das Aufstellen neben der Futter- oder Wasserschüssel ist ein Tabu. Wir Menschen möchten ja auch nicht direkt neben der Toilette essen. 

 

Futter und Wasser

Jede Katze benötigt ihren eigenen Napf für Wasser und Futter. Meistens schmeckt zwar sowieso das Futter besser, das der andere Artgenosse im Napf hat (auch wenn es haargenau die gleiche Sorte ist), aber jede Katze sollte die Möglichkeit haben, alleine aus einem Napf zu fressen. Wasser trinken manche Katzen lieber aus einem Brunnen als aus einem normalen Schälchen. Alternativ kann man auch eine große Glasschale mit Wasser füllen und an einem gut erreichbaren Ort aufstellen.

 

Katzen fressen lieber mehrmals am Tag kleinere Portionen. Das entspricht ihrem natürlichen Verhalten, mehrmals am Tag zu jagen und kleine Portionen zu fressen. Die tägliche Futtermenge sollte bei gesunden erwachsenen Katzen auf mindestens 2 Fütterungen verteilt werden. Besser wären 3-5 Mahlzeiten am Tag. Die Fütterung hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, so dass keine pauschal gültige Empfehlung für alle Katzen gegeben werden kann. Junge, alte, trächtige, laktierende und kranke Tiere müssen entsprechend an ihre Situation angepasst gefüttert werden.

 

Katzen haben ihr Futter gerne zimmerwarm und vor allem frisch. Angetrocknetes Futter wird oft verschmäht. Wenn Sie berufstätig sind und nur 2x täglich füttern können, bietet sich deshalb unter Umständen ein Futterautomat an. So bleibt das Futter länger frisch und die Zwischenmahlzeiten tagsüber sind möglich.

 

Klettern, Kratzen, Katzenkino

Katzen klettern sehr gerne und liegen am liebsten auf hohen Plätzen, von denen aus sie alles überblicken können. Deshalb müssen ausreichend Möglichkeiten geboten werden, damit die Katzen auch in der Wohnung klettern und erhöht liegen können. Es gibt Kratzbäume in verschiedenen Ausführungen, von klein bis groß. Aber auch der Zugang zu Schränken und Regalen sollte gewährt werden, damit unterschiedliche Höhen und Orte erkundet werden können. Wer kreativ ist, kann selbst Laufwege, einen sog. Catwalk, an den Wänden anbringen. Der Fantasie sind hier fast keine Grenzen gesetzt. Für eine Inspiration zum Baubeginn gibt es von der Katzenhilfe Uelzen eine bebilderte Anleitung

 

Krallen wetzen ist für Katzen nicht nur Zeitvertreib, sondern ein arteigenes Bedürfnis, das eine Katze sich nicht nehmen lässt. Deshalb ist es wichtig, ausreichend Möglichkeiten zum Kratzen zu bieten. Sonst wird die Katze irgendwann ihr Kratzbedürfnis an Gegenständen ausleben, die dafür nicht vorgesehen sind, wie z.B. das Sofa. Die meisten Kratzbäume haben mit Sisal ummantelte Stämme, an denen die Krallen gewetzt werden können, es gibt aber auch zusätzlich Kratzmöbel und -platten, die an der Wand oder seitlich an einem Schrank befestigt werden können. 

 

Katzen brauchen die Möglichkeit, aus dem Fenster schauen zu können. Die Wahrnehmung der Außenwelt ist auch für Wohnungskatzen ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Deshalb sollten die Fensterbretter frei bleiben. Je mehr Fensterbretter begehbar sind, desto spannender ist es für die Katze. Bei mehreren Katzen wird man es oft erleben, dass gemeinsam nach draußen geschaut wird; dennoch muss jede Katze die Möglichkeit haben, mit etwas Abstand zu anderen Mitbewohnern ihre "Wild Life Doku" sehen zu können. Stubentiger finden alles interessant, was sich bewegt - man kann also vor dem Fenster auch selbst für Bewegung sorgen, z.B. durch Pflanzen, die sich im Wind bewegen. Achten Sie aber darauf, Ihre Katzen nicht mit Reizen zu überfluten.

 

Wie die meisten Menschen lieben auch Katzen Sonnenlicht und -wärme. Aus diesem Grund sollten sie in der Wohnung Plätze zu Verfügung haben, an denen sie sich sonnen können.

 

Spielen und Beschäftigung

Es gibt nichts gefährlicheres im Leben einer Wohnungskatze als ständige Unterforderung und Langeweile. Katzengerechtes Spielen ist daher extrem wichtig. Es reicht nicht aus, in jedem Zimmer etwas Katzenspielzeug zu verteilen und Abends ein paar Minuten mit der Spielangel zu spielen. Im gemeinsamen Spiel sollen Katzen zumindest im beschränkten Rahmen ihre natürlichen Triebe ausleben können. Dazu gehören auch Rennen, Jagen, Raufen und Toben. Natürlich spielen Katzen auch mal alleine, aber für abwechslungsreiches, spannendes Spielen sind Sie als Halter zuständig. Wäre die Katze draußen, wäre jeder Tag auf's Neue spannend und vor allem abwechslungsreich. Man muss die Welt also ein wenig mit Katzenaugen sehen, dann fallen einem fast automatisch unzählige Spielevariationen ein. Man kann beispielsweise verstecken spielen über mehrere Räume (ja, manche Katzen lieben das tatsächlich!) oder Jagd- und Beutespiele veranstalten. Ist Ihnen mal aufgefallen, dass Katzen gerne an Schuhen riechen? Schuhe bringen den Duft der Außenwelt mit. Die Gerüche "da draußen" sind sehr vielfältig und extrem spannend für Katzen. Auch darauf kann man Spiel und Beschäftigung aufbauen, indem man von draußen Blätter mitbringt oder im Herbst Kastanien. Wenn das nächste Paket kommt, lassen Sie den Karton und das Füllmaterial (sofern geeignet und ohne gefährliche Gegenstände wie Klammern, Metallstifte etc.) einfach mal ein paar Tage stehen.Oder werfen Sie unter den wachsamen Augen Ihrer Katze ein Leckerchen zwischen das Füllmaterial, das sie sich dann selbst wieder rausfischen kann. 

 

Oder füllen Sie eine große Glasschüssel mit Wasser und legen Sie Blätter, einen Tischtennisball o.ä. hinein. Dann pusten Sie den schwimmenden Gegenstand an, damit er sich bewegt. Wenn die Neugier geweckt ist, wird Ihre Katze versuchen, den Gegenstand mit der Pfote zu fangen. Aber der bewegt sich, sobald er angestupst wird. Eine echte Denkaufgabe, vor allem für etwas wasserscheuere Katzen. 

 

Sie essen gerne Kürbissuppe? Prima! Hat jetzt nichts mit Katzenspiel zu tun, sagen Sie? Doch! Verwenden Sie das Fruchtfleisch für Ihre Kürbissuppe und lassen Sie die ausgehöhlten kleinen Kürbisse im Ofen bei ca. 80°C trocknen. Kürbisse abkühlen lassen und dann Löcher in die Kürbisse schnitzen, durch die gerade so eine Katzenpfote passt. Sie können die Kürbisse anschließend mit trockenem Laub füllen, das raschelt schön und ist bestimmt genauso spannend wie die Erkundung eines Mauselochs im Freien.

 

Ein Spiel niemals abrupt beenden/abbrechen. Für die Katze wirkt das u. U. wie eine Bestrafung, obwohl sie ja gar nichts gemacht hat. Sie versteht das nicht und es entsteht Frustration. Lassen Sie das gemeinsame Spiel langsam ausklingen und beenden Sie es mit etwas Positiven wie einem Leckerchen. Danach räumen Sie das verwendete Spielzeug weg.

 

Auch Alltagsdinge lassen sich gut in's Spiel einbinden. Putzen zum Beispiel. Eine meiner Katzen hat einen riesen Spaß, wenn ich den Boden wische. Sie legt sich auf die Lauer und greift den Putzlumpen an. Sobald sie merkt, dass ich Richtung Putzeimer gehe, sitzt sie schon neben dem Waschbecken und wartet, bis das Wasser im Eimer ist. Wenn alles vorbereitet ist, geht es los. Ihr zuliebe putze ich das Erdgeschoss auf Knien rutschend, weil es ihr viel mehr Spaß macht, wenn man den Putzlappen in der Hand hält statt ihn auf den Wischer zu spannen. So arbeiten wir uns jeden Abend durch alle unteren Räume, haben gemeinsam Spaß und wenn unter ihrer Aufsicht dann alles weg geräumt ist, bekommt sie ihr Leckerchen für's Helfen. Allerdings sollte man hier natürlich sehr aufpassen, wenn man chemische Putzmittel verwendet oder besser auf chemische Reiniger ganz verzichten; es gibt ja genug Alternativen.

 

Wie viel Spielzeug und Spielzeit braucht meine Katze?

Katzen brauchen kein Sortiment, das jeder Fachhandelsfiliale locker Konkurrenz machen könnte. 6-10 Spielzeuge reichen völlig aus, wenn man einige Grundlagen beachtet. 

 

Lassen Sie nicht zu viel Spielzeug rund um die Uhr in der Wohnung liegen. Das Überangebot an Spielzeug und die freie Verfügung machen die Spielzeuge sonst uninteressant und sie verlieren ihren Reiz. Damit verliert Ihre Katze dann auch die Lust zu spielen. Spielzeuge lieber nur in geringer Anzahl (1-2 Stück) und zeitlich begrenzt anbieten. Spielzeug mit Baldrian und Katzenminze noch seltener anbieten. Maximal 1x wöchentlich für 15 Minuten. Neben der Gefahr der Reizüberflutung sind diese Kräuter in manchen Fällen gute Phytotherapeutika im Rahmen einer entsprechenden Behandlung - hat aber eine Desensibilisierung statt gefunden, sind sie wertlos.

 

Mit der Zeit werden Sie merken, welche Spielzeuge Ihre Katze bevorzugt. Beschränken Sie sich auf diese Spielzeuge; richtig verwendet werden sie auch nach langer Zeit ihren Reiz nicht verlieren. 

 

Wie viel Zeit Sie zum Spielen aufwenden sollten ist nicht allgemeingültig zu sagen. Nicht jede Katze will jeden Tag gleich viel spielen und auch Sie als Halter haben vielleicht mal einen schlechten Tag. Ihre Stimmung spürt die Katze genau. Sind Sie nicht bei der Sache oder lustlos, weil es an diesem Tag für Sie ein Pflichtprogramm ist, das absolviert werden muss, lassen Sie es. Beim gemeinsamen Spiel sollten Sie sich ganz auf Ihre Katze konzentrieren und selbst Spaß am Spiel haben. 

 

Grundsätzlich ist es aber sinnvoller, über den Tag verteilt mehrmals kürzere Spielphasen einzulegen als Abends eine Power-Runde von 1 Stunde, wenn Sie nach Hause kommen. Katzen spielen gerne, aber nicht zu jeder Tageszeit und auf Abruf. Natürlich kann man eine Katze auch Abends zum Spielen animieren, aber so wie die Katze draußen spielen würde, wenn sie Lust dazu hat, sollte sie auch in der Wohnung ihren Spieltrieb ausleben können, wenn ihr gerade danach ist. 

 

Balkonien für die Katz

Wer über einen Balkon verfügt, macht seiner Katze sicherlich eine große Freude, wenn er mit einem Netz gesichert und dem Stubentiger die Nutzung des Balkons ermöglicht wird. Hier kann eine Katze zumindest im Kleinen noch wirklich jagen, wenn sich das eine oder andere Blatt oder kleine Insekt auf den Balkon verirrt. Auch die Gerüche sind für Ihre Katze spannend. Das frisch gemähte Gras vom Nachbarn zum Beispiel. Der gesicherte Balkon kann natürlich mit einem Kratzbaum oder Klettermöglichkeiten ausgestattet werden. So ist der Blickwinkel je nach Sitz-/Liegeplatz unterschiedlich und Ihre Katze sieht viel mehr von der Umgebung. Wer zwar keinen Balkon, aber eine Terrasse hat, kann auch die Terrasse und ggf. ein kleines Stück Garten entsprechend sichern und ein Freigehege daraus machen. So können sich Katzen auf etwas erweitertem Raum in's Gras legen, die frische Luft genießen, sich sonnen, Insekten jagen...wer gerne "gartelt" und handwerklich geschickt ist, kann so ein Freigehege relativ einfach selbst bauen. Wie so etwas aussehen kann, sehen Sie hier.

 

Meine Katze fühlt sich wohl, sie hat nur ein paar Macken. Oder?

Die meisten Katzenhalter verbinden mit der Unzufriedenheit einer Katze automatisch das sog. "Protestpinkeln" in der Wohnung. Die Schlussfolgerung ist also: Katze pinkelt nicht, Katze fühlt sich wohl. Leider stimmt das nicht. Unzufriedenheit, Unterforderung, Langeweile zeigt sich nicht immer deutlich in Form von Stubenunreinheit, Zerstörung o.ä.

 

Nicht katzengerechte Wohnungshaltung sorgt bei den Tieren für Frust und Stress. Dazu gehören auch "Kleinigkeiten" (zumindest aus menschlicher Sicht) wie der Standort oder die Anzahl der Katzentoiletten. Seelischer Dauerstress ist nicht gleichzusetzen mit dem mehr als deutlich gezeigten Stress, wie er bei vielen Katzen beispielsweise beim Tierarztbesuch gezeigt wird in Form von hecheln, miauen etc. Seelischer Stress und Frust zeigen sich häufig durch zunehmende Auffälligkeiten im Verhalten.

 

Oftmals schnurren Katzen zunächst weniger, weil sie innerlich angespannt sind. Das Spielverhalten verändert sich dahingehend, dass weniger oft und weniger intensiv gespielt wird. Manche Katzen wirken zunehmend genervter, distanzierter und fauchen auch den Halter gelegentlich unvermittelt an. Sie ziehen sich insgesamt mehr zurück, sind nicht mehr so aktiv wie früher. Auch das Auftreten plötzlicher Aggression kommt häufig vor. Gerade noch hat man die Katze gestreichelt und alles schien entspannt - plötzlich schlägt die Stimmung um und das Tier faucht oder schlägt mit der Tatze zu. Auch beim Spielen kann in manchen Fällen ein plötzliches Umschlagen in gezielte Aggression auftreten. Ebenso zeigt sich Stress in Verdauungsbeschwerden wie beispielsweise chronischem oder immer wiederkehrendem Durchfall, ohne dass organische Ursachen gefunden werden konnten. Wiederkehrende oder behandlungsresistente Hals- und Rachenbeschwerden wie Heiserkeit, Schluckbeschwerden etc. kommen in der Praxis auch immer wieder vor, gerade bei Katzen, die ihren Frust und ihre Unzufriedenheit nicht allzu offen zeigen. Sie schlucken ihren Zorn förmlich über lange Zeit runter.

 

Solche Veränderungen entwickeln sich schleichend über Wochen, Monate oder Jahre. Dem Halter, der jeden tag mit seiner Katze zusammen ist, fällt das oft lange nicht auf. Die Katze hat in den Augen vieler Halter dann einfach "Marotten" entwickelt. 

 

Auch vermehrtes Putzen tritt immer wieder auf. Dabei putzen sich die betroffenen Katzen meist am Rücken, am Bauch und/oder den Innenschenkeln so intensiv, dass sich kahle Stellen im Fell bilden. Organische Ursachen wie Bauchschmerzen, Blasenbeschwerden, Gelenkschmerzen etc., die das vermehrte Belecken erklären könnten,  sind in solchen Fällen nicht feststellbar. Man kennt das auch unter dem Begriff psychogene Leckalopezie (PLA). In extremen Fällen kommt es auch vor, dass Katzen sich aufgeben und sogar das Futter verweigern.

 

Eine Behandlung solcher Auffälligkeiten kann zwar kurzfristig helfen, wird aber niemals dauerhaft zu einer Besserung führen, solange die Haltung nicht optimiert wird. Aus diesem Grund ist es für uns Therapeuten wichtig, die genauen Haltungsumstände zu kennen. In der Praxis werden die Tiere oft als absolut entspannt beschrieben, für den Therapeuten als Außenstehenden ist aber meist sehr schnell ersichtlich, dass das nicht der Fall ist. Hier dürfen Sie es bitte nicht als Kritik auffassen, wenn Ihnen gesagt wird, dass Sie die Haltung verändern sollten. Jeder verantwortungsvolle Tierhalter möchte nur das Beste für sein Tier und tut natürlich, was er kann. Ihr Tiertherapeut möchte Sie dabei unterstützen und dazu gehört auch, Ihnen die Stellschräubchen zu zeigen, an denen bei der Haltung gedreht werden sollte. 

 

VDT-Mitglied
Gulahund Yellowdog Program

Tierheilpraxis für Hunde & Katzen

Christina Wick

Tierheilpraktikerin

Peter-Rosegger-Str. 1b

84478 Waldkraiburg

 

Tel. 08638 / 20 97 337

 

E-Mail info[at]tierheilpraxis-wick.de

Nach dem deutschen Heilmittelwerberecht § 3 muss ich darauf hinweisen, dass es sich bei den hier vorgestellten Methoden, sowohl therapeutischer als auch diagnostischer Art, um Verfahren der alternativen Medizin handelt, die wissenschaftlich umstritten und schulmedizinisch nicht anerkannt sind.